Geschichte

Das „Waldheim“ liegt am östlichen Rande der Gemarkung Büsingen, also noch auf deutschem Staatsgebiet. Aber schon ein Teil der Gartenterrasse und die am Südhang des Anwesens wachsenden Reben liegen auf Schweizer Boden.

Zur Geschichte der Liegenschaft:

1923/24 erbaute sich das Pfarrerehepaar Schulz aus der Lüneburger Heide die „Villa Waldheim“. Der Sohn des Pastors bewirtschaftete damals das ebenfalls zum Familienbesitz zählende unten am Rhein liegende „Laag – Gut“.

1934 wechselte die „Villa Waldheim“ in den Besitz einer Schaffhauser Familie.

1935 eröffnete Anni Stiehl – Keller das „Café Waldheim“.

Altes Foto Pension Waldheim

1957 übernahm die Familie Pfleghaar aus dem Raum Friedrichshafen die Liegenschaft, welche sie später dann testamentarisch der Gemeinde Büsingen vermachte.

 

Geschichte Büsingens.

Die ältesten archäologischen Funde, die auf menschliche Aktivitäten im Raum Büsingen schließen lassen, stammen aus der Bronze- und der späten Hallstattzeit. Gegen Ende der Römerzeit wurde der Limes von Basel bis zum Bodensee auch in der Nähe von Büsingen errichtet. Nachdem diese Grenzbefestigung von den Alemannen überwunden worden war, ließen sich vermutlich die ersten am Rheinufer nieder und nannten ihren Ort Buosinga, was so viel heißt wie die Siedlung der Leute des Boso.

.Verliebter Urmensch

Mit der auf einer Anhöhe gelegenen St. Michaelskirche war das Gebiet des heutigen Kantons Schaffhausen vor der Stiftung des Klosters Allerheiligen zu Büsingen kooperiert. Im Jahre 1090 wurde Büsingen erstmals urkundlich erwähnt, als es vom Grafen Burkhard von Nellenburg dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen geschenkt wurde.

Seit 1361 hatten die Herren von Klingenberg, österreichische Lehnsträger, die Ortsherrschaft inne.

1406 wurde Büsingen von den verschuldeten Klingenbergern an den Schaffhauser Rudolf Goldschmid verpfändet. Im Jahre 1463 übernahm dann der Bürgermeister Heinrich Barter die Vogtei in Büsingen.

Ab 1465 ging die Landeshoheit über Büsingen offiziell an Österreich über und der Ort gehörte zur österreichischen Landgrafschaft Nellenburg.

Seit 1658 hatte Eberhard Im Thurn die österreichische Lehnsherrschaft inne, die seit 1535 bereits der Schaffhauser Familie gehörte. Eberhard wurde am 10. April 1693 nach religiösen Streitigkeiten von eigenen Familienangehörigen nach Schaffhausen entführt, wo er wenig später von der dortigen Obrigkeit in den Kerker geworfen wurde. Für die österreichische Bezirksregierung in Nellenburg war die Entführung ihres Lehnsträgers Eberhard ein Eingriff in die Landeshoheit Österreichs. Binnen eines Jahres bekam die ursprünglich örtliche Angelegenheit staatspolitische Dimensionen. 1694 sperrte Österreich die Getreideausfuhr in die Schweiz und drohte Schaffhausen mit hohen Repressalien. Obwohl die Schaffhauser von ihren Eidgenossen zum Einlenken gedrängt wurden, leiteten sie ein Verfahren gegen Eberhard Im Thurn ein, bei dem dieser zum Tode verurteilt werden sollte. Es endete nach einer Abstimmung aber mit knapper Mehrheit nur mit lebenslanger Haft. Die Schaffhauser gaben erst nach, nachdem am 15. Februar 1697 Österreich den Druck noch einmal verstärkt und Truppen an die Schaffhauser Grenze verlegt hatte.

Aufgrund dieser Entführung verlor Schaffhausen die Pfandschaft über die Reiatdörfer, zu denen Büsingen gehörte, und konnte diese erst 1723 für 221744 Gulden zurückerlangen. Nur Büsingen wurde von den Österreichern einbehalten, denn es sollte zum Ärgernis der Schaffhauser auf ewig österreichisch bleiben. Als Österreich im Jahr 1770 seine Rechte an den Dörfern Ramsen und Dörflingen an das eidgenössische Zürich verkaufte, wurde Büsingen zu einer Enklave in der Schweizer Eidgenossenschaft.

Trotz aller Versuche der Schaffhauser, Büsingen zurückzuerlangen, wurde es im Pressburger Frieden von 1805 dem Königreich Württemberg zugeschlagen. 1810 ging Büsingen an das Großherzogtum Baden über. Auch auf dem Wiener Kongress 1814/1815, durch den die Grenzen Europas neu geordnet wurden, änderte sich an der Situation nichts, und Büsingen gehörte weiterhin zu Baden.

Im Jahr 1835 wurde Büsingen deutsches Zollausschlussgebiet.

Im Jahr 1895 schloss die Schweiz mit Büsingen ein Abkommen, damit die Büsinger Bauern ihre Produkte in der Schweiz verkaufen konnten. Dieser Warenaustausch funktionierte sogar während des Ersten Weltkriegs – in beiden Richtungen.

Im Jahre 1918 wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, in der 96 % ( Diagramm ) der Büsinger Bürger für eine Angliederung ihres Dorfes an die Schweiz stimmten. Dazu kam es aber nicht, weil die Schweiz kein geeignetes Austauschgebiet anbieten konnte. Und Deutschland wollte es nicht einfach abtreten, Das Dazuerobern in den kommenden Jahren stand dann wohl wieder auf einem ganz anderen Blatt. So blieb Büsingen beim Deutschen Reich.

 

1946 bat das von Frankreich besetzte Büsingen den Schweizer Bundesrat, die Zollgrenze zur Enklave aufzuheben. Am 1. Januar 1947 wurde mit dem Einverständnis der Franzosen diesem Gesuch entsprochen. Seit diesem Datum wird die 17 Kilometer lange Grenze zwischen Büsingen und der Schweiz nicht mehr kontrolliert.

Die bisher letzte Chance der Büsinger, der Schweiz angegliedert zu werden, bot sich 1956. Damalige Verhandlungen waren zunächst vielversprechend, jedoch bestand der Landkreis Konstanz ( Nota bene: Ein Landkreis in Staatsfragen! ) auf dem Verbleib von Büsingen bei Deutschland und forderte darüber hinaus einen verbindenden Korridor zu Deutschland. Dadurch wäre die Laag vom Dörflinger Dorfgebiet abgetrennt worden! Daraufhin brach die Schweiz die Verhandlungen ab. Wen wundert’s?

Und deshalb zieht sich die Landesgrenze Schweiz / Deutschland noch heute u.a. zwischen Tischen und Stühlen mitten durch die Gartenwirtschaft des Restaurant „Waldheim“  ( als weisse Markierung zu sehen ) !

Am 4. Oktober 1967 trat ein Flickwerk von Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz in Kraft, welcher den rechtlichen Status der Büsinger völlig unzureichend regelt.

So bleibt der Büsinger

  • Staatspolitisch an Deutschland gekettet,
  • als „Grenzgänger“ vom deutschen Fiskus ausgebeutet,
  • wirtschaftlich der Schweiz angegliedert, welche ihrerseits die Büsinger im „Bedarfsfall“ dann wieder als stinknormale EU – Bürger be- / abhandelt,
  • weder Fisch noch Vogel …

eben Büsinger … und das Dorf damit

Die Gemeinde wurde am 6. Dezember 1961 von Büsingen (Oberrhein) in Büsingen am Hochrhein umbenannt. Und damit waren aus deutscher Sicht  alle Probleme der Exklave gelöst.

Welch staatspolitische Bravourleistung!